Aufruf

„Queer: Lustvolle Politik und Gesellschaftskritik; Schluss mit
Identitätszwängen; praktische Überwindung von Zweigeschlechtlichkeit; neue
Bündnisse und endlich gute Pornos. Queer hat Sexappeal, finden wir und finden
andere. Queer ist eine produktive Fortschreibung femibnistischer Politik mit
neuen Werkzeugen für Kritik und Alltag.

Oder: Endlich Queer! Feminismus war nicht lustvoll – und ist jetzt auch endlich
vorbei. Identität und Geschlecht sind kosntruiert und deswegen Positionen, die
nicht mehr bezogen werden sollten. Deswegen gehören quotierte Redelisten
abgeschafft. Von männlichen Privilegien ist nicht mehr die Rede, und Pornos kann
man sich jetzt auch endlich in Ruhe ansehen.“
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Aufruf zu den Queerschnitt Free Your Gender Days

Im obigen Text wird sehr der treffend der Zustand einer linken Szene
beschrieben, in der auf der einen Seite die Queer-Theorie ihren Einzug gefunden
hat, in der auf der anderen Seite unter dem Label Queer die Auseinandersetzung
mit der eigenen Sexualität und Identität verhindert wird. Unter der Bezeichnung
„Queer“ werden nicht nur alte Geschlechterrollen aufgehoben, sondern auch neue
konstruiert. Kritik daran bleibt oft nicht gehört und eine Debatte findet kaum
statt und wenn, dann steht im Fokus der Betrachtung niemals die Linke selbst.

Was bedeutet Queer?
Was bedeutet Queer-Feminismus?
Was bedeutet dies für linke Praxis?
Was bedeutet es für linke Ästhetik?
Wie kann eine kritische Selbstreflexion von linker Praxis und Subkultur geschehen?

Einen Anfang zur Beantwortung dieser Fragen wollen wir vom 30. November bis zum
2. Dezember in der Gerberstraße in Weimar schaffen. Auf dem „Queerschnitt“ Free
Your Gender-Festival wollen wir Vorträge, Workshops und Infomaterial bieten, die
auf der einen Seite einen Einstieg in die Queer-Theorie bieten sollen und auf
der anderen Seite den subkulturellen/soziokulturellen Alltag der Linken in den
Fokus der queeren Kritik rücken. Weil wir wissen, dass die obigen Fragen nicht
an einem Wochenende beantwortet werden können und dieses Thema nicht an drei
Tagen abgearbeitet werden kann, sind wir auf zahlreiche Gäste angewiesen, die
Ergebnisse und Erkenntnisse oder auch neue Fragesetellungen in ihre
Zusammenhänge zurücktragen. Wir hoffen, dass wir mit dem Queerschnitt-Festival
eine Debatte in Thüringen und darüber hinaus entfachen können!

Trotz innerlinker Debatten sollen die Free Your Gender-Days auch denen einen
Einstieg bieten, die sich mit den Themen Sexismus, Homophobie und Queerer Kritik
noch nicht auseinandergesetzt haben. Nicht zuletzt haben zahlreiche Diskussionen
im soziokulturellen Zentrum Gerberstraße gezeigt, dass dies notwendig und
erwünscht ist!

Kommt zahlreich und bildet euch!

Queerschnitt-Orgagruppe und [aaw]

Bei Fragen, Anregungen, Kritik oder Wunsch zur Beteiligung meldet euch: Queerschnitt[at]yahoo.de

  1. [
    [aus: Sarah Dellmann, Katharina Voss: Die Szene braucht die Queers, muss aber
    auch fragen wer sie sind, in Phase 2 #20, Leipzig 2006] [zurück]

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